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Bienenhaus – für Mutter und Kind

Ich klingle und Ranja vom Bienenhaus öffnet mir die Tür. Ich werde herzlich empfangen. Auch zwei Kleinkinder begrüssen mich. Eines der beiden krabbelt auf mich zu und schaut mich dann etwas verwirrt an. Zeitgleich kommt hinter mir eine weitere Frau zur Tür rein. Es ist die Mutter und sie trägt wie ich eine grüne Jacke. Herzlich hebt sie das Kleinkind hoch und küsst es auf die Wange. Ranja und ich ziehen uns in ein kleines Zimmer zurück, in dem eine Kinderwiege steht. Hier schläft das Kind. «Im Büro ist es derzeit zu laut, da im Obergeschoss die Renovationsarbeiten in einem der Schlafzimmer laufen», erklärt mir Ranja. Das Haus hat fünf Schlafzimmer, ein Gemeinschaftsbad, ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Büro. Zusätzlich verfügt das Bienenhaus über eine weitere Aussenwohnung mit vier Schlafzimmern.

Kinder im Mittelpunkt

Das Bienenhaus ist für Mutter und Kind und auch schwangere Frauen ein Zufluchtsort. «Wir durften die unterschiedlichsten Charaktere kennenlernen, jede Person hat ihre eigene Geschichte. Uns Pädagoginnen ist es sehr wichtig, dass stets das Wohl des Kindes vorangeht. In einem geschützten und familiären Raum wird an der Bindung zwischen Mutter und Kind gearbeitet. Die Familie wird auf ein selbstständiges und verantwortungsbewusstes Leben vorbereitet. Beispielsweise finden schwangere Klientinnen zu uns ins Haus, welche selbst noch sehr jung sind. Wir begleiteten sie während der Geburt und unterstützen die jungen Mütter anschliessend eine Arbeit und Wohnung zu finden. In einigen Fällen konnten wir die jungen Mütter mit ihren Kindern schon bald verabschieden. In anderen Fällen wurde nach alternativen Lösungen gesucht, da die Klientinnen ihre Kinder nicht hätte versorgen können. Beispielsweise informieren wir die Beistände, so dass Kinder an Pflegefamilien vermittelt und die jungen Frauen entlastet werden können. So erhalten sie beispielsweise Zeit, ihre Ausbildung abzuschliessen. Sobald sie selbständig im Leben stehen, wird erneut geprüft, ob sie ihre Kinder versorgen können. Im Idealfall geht das Sorgerecht zurück an die Mutter. Es gibt leider auch Fälle, in denen Mütter wegen einer psychischen oder physischen Erkrankung oder aufgrund einer Suchterkrankung, ihre Kinder nicht versorgen können oder gar gefährden. Es werden dann entsprechende Massnahmen ergriffen», erzählt Ranja. Entscheidet sich eine Bewohnerin, das Haus zu verlassen, die Entlassung aber nicht im Sinne des Kindeswohls ist, bleibt das Kind bei uns. Je nach Fall darf die Mutter das Kind weiterhin allein oder in Begleitung besuchen. In Situationen, in denen die Mutter unzurechnungsfähig ist und «ausfällt», darf das Kind im Haus bleiben. Hält die Situation länger an, werden mit den Beiständen Lösungen gesucht. Ranja erklärt: «Es ist unser Ziel, dass die Mutter Anteil am Leben des Kindes nimmt, nicht aber, wenn die Mutter die Entwicklung des Kindes gefährdet.»

Struktur und Sicherheit

Im Bienenhaus wird Tagesstruktur und Wochenplanung geboten. Gemeinsam wird die Kinderpflege und verschiedene Hausarbeiten erledigt, es wird eingekauft und gekocht. Alles, was zum täglichen Leben gehört. Jeden Dienstag dürfen die Kinder des Bienenhauses mit den Kindern der Wohngruppe Wolf spielen und neue Menschen und viele Tiere kennenlernen. Diese Zeit wird vom Team und den Müttern gerne für Gespräche, Standortbestimmungen und individuelle Bedürfnisse genutzt.

Nebst den fünf Schlafzimmern im Haus verfügt das Bienenhaus über eine Aussenwohnung mit vier weiteren Zimmern. So können Bewohnerinnen testen, ob sie für ein selbstständiges Leben als Mutter bereit sind. Die Wohnung wird regelmässig durch die Pädagoginnen kontrolliert und die Mutter steht immer noch im engen Austausch mit ihnen. Nach und nach lockern sich die Kontrollen. «Es ist immer ein schönes Erlebnis, wenn eine Mutter gelernt hat, allein mit ihrem Kind zu leben. Wir unterstützen dann gerne auch bei der Wohnungssuche. Klar ist, dass unsere Tür immer offensteht, wenn zu einem späteren Zeitpunkt um einen Ratschlag gebeten wird oder Mutter und Kind einfach so auf Besuch kommen wollen. Wir hatten einige Bewohnerinnen, die leben heute bewusst in der Nähe des Bienenhauses», berichtet Ranja.

Familiäre Atmosphäre

Wir gehen gemeinsam ins Wohnzimmer. An einem grossen Esstisch sitzt ein Mädchen und malt. Stolz zeigt sie mir ihren Weihnachtsmann. Johanna, eine Pädagogin, ist bei ihr: «Die Arbeit mit den Kindern ist sehr schön. Man weiss nie konkret, was einem erwartet, das macht die Arbeit auch interessant. Ich schätze auch den Zusammenhalt im Team, wodurch die familiäre Atmosphäre besonders gut zu spüren ist. Die Mütter im Haus bemerken das und werden dem Team gegenüber offener.»

Ich frage Ranja und Johanna nach den Mahlzeiten im Haus. Sie erklären mir, dass das Frühstück, Mittagessen und Abendessen gerne zelebriert wird. Mit dem gemeinsamen Essen wird das Bienenhaus zu einem Zuhause. «Mit den etwas älteren Kindern kochen wir auch gerne. Wir achten auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Dank der Lebensmittellieferung der Schweizer Tafel erhalten wir viel Gemüse und Obst. Unsere Babybreie bereiten wir zum Beispiel alle selbst zu», erzählt Ranja freudig. «Wenn der Lieferwagen der Schweizer Tafel vorfährt, helfen uns ab und zu auch die Kinder beim Aussuchen und Hineintragen. Wenn die Lieferung mal nicht ausreicht, kaufen wir die fehlenden Lebensmittel im Dorfladen. Der ressourcenbewusste Umgang, den wir so den Müttern vermitteln können, ist sehr wertvoll.» Unterdessen sind in der Küche Geräusche zu hören. Ruke bereitet alles für das heutige Mittagessen vor. Es gibt Ebli mit Ofengemüse.

Ohne Sponsoren und Freiwillige geht es nicht

Viele sinnvolle Zusatzleistungen zur allgemeinen Betreuung werden nicht von der öffentlichen Hand finanziert. Daher ist das Bienenhaus, wie viele weitere Organisationen auf Spenden und Freiwillige angewiesen. Zusätzliche Therapien, Tätigkeiten im Atelier und die Versorgung der Tiere werden von der Institution selbst getragen. Auch Renovationen und zusätzliches Inventar wird selbst finanziert.

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2024-01-11T13:11:09+01:00
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