Das «Offene Haus La Prairie»

Das «Offene Haus La Prairie» war einst ein Sommerhaus mitten auf einer grünen Wiese, vor den Toren der Stadt Bern. Seither wurde das Haus vielseitig genutzt. Noch heute ist es ein Ort der Begegnung. Das Haus steht auf dem Areal der Dreifaltigkeitskirche Bern und gehört der katholischen Gesamtkirchgemeinde GKG. Vor über 40 Jahren wurde das «Offene Haus la Prairie» von jungen, enthusiastischen Gemeindemitgliedern der Kirche gegründet und betrieben. Heute wird der Betrieb durch etwa 50 freiwillige Menschen, die gleichzeitig auch den unabhängigen Verein bilden, sichergestellt. Von Dienstag bis Freitag dürfen sich Gäste am offenen Mittagstisch für fünf Franken verpflegen, am Sonntag wird ein Brunch für 2 Franken angeboten. Die Stiftung Schweizer Tafel liefert für die Küche des Hauses zweimal pro Woche kostenlos gerettete Lebensmittel. Ohne diese Lebensmittelhilfe wüsste die Institution nicht, wie sie das Angebot stemmen sollte. Zwischen 40 bis 50 Mahlzeiten serviert das Team täglich.

Es ist Mittwoch, 11.30 Uhr und das Fahrzeug der Schweizer Tafel fährt auf den Bordstein vor dem Haus. Zwei Zivildienstleistende steigen aus und begrüssen E. und H., vom Haus La Prairie. Die Augen der Beiden leuchten, als sie den Salat in den Kisten sehen. Leider gab es in letzter Zeit wenige Salate. In den letzten Tagen musste die Küche dann jeweils einige Salatköpfe im Supermarkt dazukaufen. «Habt ihr auch Interesse an Bratwürsten», fragt einer der Zivildienstleistenden. Fleisch gibt es selten von der Schweizer Tafel, daher wird die Tasche mit den noch tiefgefrorenen Würsten dankend entgegengenommen. Das Fleisch wird rasch nach oben in die Küche getragen und gleich wieder in den Tiefkühler gelegt. Die Badi Ostermundigen musste die Saison früher beenden und hat ihre Warenbestände der Schweizer Tafel gespendet. Das Team bedankt sich bei den Zivildienstleistenden und trägt das erhaltende Gemüse und Obst ins Haus. Das restliche Küchenteam bestaunt die Lebensmittel. Rasch wird besprochen, welche Ware noch zusätzlich verarbeitet werden sollte, denn die Zeit drängt, um 12.30 Uhr wird das Mittagessen serviert. Die Salate werden gewaschen und ein paar weitere Kartoffeln geschält. Heute gibt es Suppe, Salat, ein feines paniertes Schnitzel, Pommes und Karotten. Zum Kaffee gibt es, wenn möglich, noch etwas Süsses.

Nebst den Räumlichkeiten für das Mittagessen, verfügt das Haus über ein «Musikzimmer», mit einem Klavier. Auf dem Klavier wird oft gespielt und diese schöne Musik ist noch auf der Strasse gut zu hören. Zudem hat es einen Gang mit ein paar Liegestühlen, einige der Gäste schätzen es, wenn sie sich ein paar Stunden hinlegen dürfen. Ein Zimmer dient als «Bügelzimmer», einer der Gäste bügelt gerne die Küchenwäsche und erhält dafür einen Bon fürs Essen. Auf dem Dachstock werden Kleider und Schuhe bereitgestellt. Die Bereiche im Erdgeschoss werden durch die Pfarrei vermietet.

E. ist nun seit über 13 Jahren Teil von La Prairie. Seit ihrer Pensionierung engagiert sie sich ehrenamtlich im Haus La Prairie. Sie kennt die Gäste, die hier ein und aus gehen, gut. Verwarnungen mussten selten ausgesprochen werden. Neue Mitarbeitende im Hausteam werden während drei Monaten eingeführt und erhalten so Einblick in den Betrieb und in den Umgang mit schwierigen zwischenmenschlichen Situationen. «Das «Offene Haus» ist, wie der Name sagt, offen für alle Menschen. Herkunft, Hautfarbe, Sprache und sozialer Status spielen keine Rolle. Alle Menschen sind willkommene Gäste, sofern sie sich an ein paar wenige Regeln halten. Gäste, welche sich die 5 Franken für eine Mahlzeit nicht leisten können, dürfen im Betrieb mithelfen und sich so ihre Mahlzeit verdienen. Es hat «Ämtlis» wie Abwasch und Reinigung der Tisch und Böden», erklärt uns E.. Seit der Pandemie beobachtet das Haus-Team einen Anstieg der Nachfrage. Sie gehen von einer Zunahme der Mahlzeiten im Winter aus.

P. ist eine neue Mitarbeiterin des Teams. Sie wirkt seit Ende letzten Jahres mit. Via Benevol Bern bewarb sie sich für den freiwilligen Einsatz und packt nun einmal pro Woche mit an. Die Besucher:innen dürfen von der Lebenserfahrung und dem Know-How der Pensionärin profitieren: «Ich konnte doch schon einigen Personen mit Kontakten und Ratschlägen helfen. Eine wirkliche Beratung bietet das Haus nicht an, das würden auch die Ressourcen nicht zulassen. Alle Helfer:innen geben ihr Bestes, mit dem vorhandenen Wissen zu helfen. Wichtig ist zu, dass die Gäste auch mir helfen. Denn das Arbeiten im La Prairie fordert meine grauen Zellen und hält mich jung.» Wir müssen schmunzeln und verabschieden uns bei Team La Prairie.

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