Notschlafstelle Luzern – Ein Ort für Obdachlose

Die Notschlafstelle an der Gibraltarstrasse 29 in Luzern ist das älteste von drei Angeboten des Vereins Jobdach. Bereits seit 38 Jahren finden Menschen in akuten Notsituationen hier ein sicheres Dach über dem Kopf. Das Überleben auf der Gasse ist hart. Es sind kleine Schritte, die den Besucherinnen und Besuchern ein neues Lebensgefühl vermitteln: Gespräche führen, Strassenschmutz und Schweiss abduschen, die Kleider frisch waschen, einen Knopf annähen, eine warme Mahlzeit einnehmen und in einem sauberen Bett schlafen. In der Notschlafstelle ist das alles möglich. Für eine kurze Zeit kehrt damit im Überlebenskampf der Betroffenen Ruhe ein. Das Angebot der Notschlafstelle beinhaltet eine hygienische und medizinische Grundversorgung, einen Hygieneraum, einen Aufenthaltsraum mit Kochgelegenheit und ein kleines Frühstück. Sehr wichtig sind die Erstberatung und Abklärungen zur Situation der Betroffenen.

Hohe Auslastung

Die 15 Betten in sechs Zimmern werden während 365 Nächten rege genutzt. Von Jung (ab 18 Jahren) bis Alt suchen die verschiedensten Personen bei uns einen Platz zum Schlafen. Einer der ältesten Gäste ist fast 70 Jahre alt. Generell stellt sich Urs Schwab, der langjährige Leiter der Notschlafstelle darauf ein, dass der Altersdurchschnitt der randständigen Menschen steigen wird. In der Sommerzeit öffnet die Notschlafstelle ihre Türen jeweils von 21.00 Uhr bis 09.00 Uhr, in den kalten Wintermonaten bereits um 20.00 Uhr.

Tobias Bucher, ein angehender Sozialpädagoge berichtet: «Seit ich in der Notschlafstelle arbeiten darf, haben alle Aufsuchenden eine Schlafgelegenheit gefunden. Damit wir keine obdachlosen Menschen abweisen müssen, stehen Notmatratzen bereit. Im letzten Winter haben wir in einzelnen Nächten bis zu 21 Gästen einen Schlafplatz zur Verfügung gestellt; da mussten alle (noch) etwas enger zusammenrücken.»

Luzern braucht eine Notschlafstelle, denn Obdachlosigkeit kann alle treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialem Status. Die kontinuierliche und kompetente Arbeit mit Menschen am Rande der Gesellschaft stellt die Basis für das Vertrauen dar, das die Behörden der Notschlafstelle entgegenbringen. Und dennoch ist der Verein Jobdach immer auch auf ideelle und finanzielle Unterstützung angewiesen. Die Schweizer Tafel liefert der Notschlafstelle jeweils am Montag- und Donnerstagvormittag Lebensmittel und das nicht erst seit Foodwaste in aller Munde ist. Diese Esswaren werden von den obdachlosen Menschen sehr geschätzt. Schon oft hat ein gespendetes Sandwich, ein feines Dessert oder ein Apfel ein Lächeln ins Gesicht der Gäste gezaubert. Der Verein Jobdach ist dankbar für die langjährige, wertvolle Unterstützung durch die Schweizer Tafel.

Gesunde Ernährung

Tobias Bucher erklärt: «Unsere Gäste sind meist in einem körperlich schlechten Zustand. Mundhygiene und eine ausgewogene Ernährung sind für sie sekundär oder schlicht zu teuer. Deswegen haben die Betroffenen oft schlechte Zähne. Wir achten daher auf weiche Mahlzeiten und falls möglich auf gesunde Lebensmittel. In der Küche stehen dank der Schweizer Tafel immer Esswaren bereit, an denen sich die obdachlosen Menschen bedienen dürfen. Das Abendessen wird gemeinsam mit einem Team-Mitglied der Notschlafstelle gekocht. Beliebt sind einfache Mahlzeiten wie Suppe und Brot. Als Suppe lassen sich die erhaltenen Lebensmittel optimal verwerten und das Obst zum Frühstück liefert die notwendigen Vitamine dazu.»

Herausfordernde Arbeit

Seit drei Jahren macht Tobias Bucher die Ausbildung zum Sozialpädagogen: «Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, nicht nur positive und schöne, sondern auch belastende. Die Arbeit in einer Notschlafstelle ist sehr anspruchsvoll. Wir wissen nicht, welche Gäste in welchem Zustand am Abend um Einlass bitten. Aber es sind die kleinen Erfolge, die unsere Arbeit besonders machen. Ich möchte Menschen in Not helfen, denn das sind unsere Gäste – Menschen», meint Tobias Bucher. Urs Schwab stimmt ihm mit einem Nicken zu: «Unsere Betreuerinnen und Betreuer verwickeln Neuankömmlinge rasch in ein Gespräch, um eine Beziehung aufzubauen. Das Ziel ist und bleibt, dass obdachlose Menschen wieder eine Heimat haben, also wird gemeinsam nach einer längerfristigen Lösung gesucht. Wir nennen es «das Vermitteln von Soforthilfe». Wir können sie dabei unterstützen und ihnen verschiedene Möglichkeiten aufzeigen. Ich stimme Tobias Bucher zu, es sind die kleinen Erfolge, die unsere Arbeit ausmachen.»

Die Notschlafstelle an der Gibraltarstrasse befindet sich in einer alten Liegenschaft, welche keine Sanierung und keine Erweiterung zulassen. Wir freuen uns, dass der Verein Jobdach nach langer Suche einen neuen Standort finden konnte. Am Neuweg 3 in Luzern entsteht ein gemeinsames Angebot für die Notschlafstelle und das betreute Wohnen. Der Verein Jobdach will damit sicherstellen, dass im urbanen Zentrum der Innerschweiz Menschen in Not ein vorübergehendes «Zuhause» finden.

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