Ronald McDonald Kinderstiftung – Haus Basel

9.30 Uhr, der Lieferwagen der Schweizer Tafel biegt in die Mittlere Strasse in Basel ein und hält vor der Hausnummer 157. Das Gebäude ist mit «Ronald McDonald Haus» beschriftet. «Davon habe ich doch schon mal gehört», meint der Zivildienstleistende Giuseppe, als er aussteigt. Miguel, ebenfalls ein Zivildienstleistender, kennt das Haus bereits. Er durfte diese Tour schon öfters fahren. Jessica und Halyna kommen mit leeren Kisten aus dem Haus. «Hallo zusammen», rufen sie mit einem grossen Lächeln. Giuseppe und Miguel öffnen die Fahrzeugtüren. «Das ist ja toll, heute ist von allem etwas dabei», sagt Halyna, die Leiterin des Hauses. Die leeren Kisten sind rasch gefüllt: Brot, Nudeln, Gemüse, Trauben, Bananen, Äpfel, Fruchtsaft und sogar etwas Süsses für die Naschkatzen werden ins Haus getragen. Halyna und Jessica bieten den Zivis als Dankeschön noch einen Kaffee an.

Halyna erklärt: «Unser Haus ist eines von sechs Häusern in der Schweiz und Teil der Ronald McDonald Kinderstiftung Schweiz. Somit sind wir auch Teil einer weltweiten Bewegung, die in rund 62 Ländern mit insgesamt 380 Häusern vertreten ist. Stellt euch vor, ihr seid Eltern eines schwerkranken Kindes, das dringend Hilfe in einer Spezialklinik benötigt. Die Spezialklinik liegt jedoch weit entfernt von eurem Wohnort. Euer Kind wird als Notfall eingeliefert. Ohne lange zu überlegen, packt ihr ein paar Sachen ein und reist hinterher. Das Kind muss für seine Genesung die nächsten Wochen in der Spezialklinik bleiben. Ihr wollt in der Nähe bleiben, könnt euch aber kein Hotelzimmer für die ganze Aufenthaltsdauer leisten. Hier kommen die Ronald McDonald Häuser ins Spiel. Bei uns finden Familien mit kranken Kindern, die im universitären Kompetenzzentrum für Kinder und Jugendliche (UKBB) behandelt werden, ein Zuhause auf Zeit».

«Wir verfügen über zehn Zimmer, die alle mit einem Doppelbett und einem kleinen Badezimmer ausgestattet sind. Bei Bedarf hat es auch Platz für zusätzliche Beistellbetten. In einem weiteren Zimmer wohnt der Inhouse-Student, der den Abenddienst übernimmt. Ein Zimmer kostet CHF 20.- pro Nacht. Für viele Familien bedeutet unser Angebot eine grosse finanzielle Entlastung. Leider gibt es aber auch Familien, die sich die Kosten für das Zimmer kaum leisten können. Dann unterstützen der Sozialdienst UKBB, die Krebsliga Schweiz und die associazione Alessia bei den Übernachtungskosten. Für Lebensmittel bleibt kaum Geld übrig, und die Gäste sind sehr dankbar für die kostenlosen Lebensmittellieferungen der Schweizer Tafel. In der Gemeinschaftsküche des Hauses wird oft der Inhalt des Kühlschranks bestaunt. Das gemeinsame Kochen ist auch eine Therapie für die Seele. Die Bewohner:innen können sich austauschen, haben ein offenes Ohr und weinen auch zusammen», erklärt Halyna.

Sie fährt fort: «Das Ronald McDonald Team, bestehend aus sieben Personen mit 280 Stellenprozenten, ist in engem Austausch mit den Bewohner:innen. Der Umgang ist familiär, auf Augenhöhe und oft sehr emotional. Aufmerksames Zuhören, eine Schulter zum Anlehnen geben und Umarmungen gehören dazu».

Jessica, Mitglied des Hausteams, ist seit Juni dabei. Sie ist selbst Mutter von drei Kindern und kennt das UKBB durch ihren Mann und ihre Schwester, die dort arbeiten. Sie berichtet: «Es gibt viele bleibende Eindrücke, die wir im Haus erleben. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Geschichte eines Neugeborenen. Es war eine Frühgeburt und die Überlebenschancen waren sehr gering. Es hiess, das Kind müsse mehrere Wochen in der Klinik versorgt werden. Seine Eltern zogen zu uns ins Haus. Als sie erfuhren, dass wir noch Zustellbetten hatten, kamen die älteren Geschwister des Neugeborenen auch nach Basel. Nun hatte das Baby seine ganze Familie um sich. Das Neugeborene erholte sich in kürzester Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass die Nähe von vertrauten Menschen die Selbstheilung fördert. Deshalb liebe ich es, hier zu arbeiten und diese Nähe zu ermöglichen».

Halyna erzählt uns von einer weiteren ergreifenden Geschichte: «Ein Kind, mit einer schweren körperlichen Behinderung war bereits operiert worden und hatte noch weitere Operationen vor sich. Mehr als zwei Monate lang wurde das Kind von seiner Grossmutter betreut, die täglich ins Spital fuhr. Die ältere Frau ist dankbar für das Zimmer im Ronald McDonald Haus, denn es gibt ihr die Möglichkeit, Kraft für den nächsten Tag zu schöpfen. Sie wüsste nicht, wie sie ohne das Zimmer in der Nähe des Spitals, diese Zeit hätte bewältigen sollen».

Das ganze Team gibt sein Bestes, um für die Angehörigen der kranken Kinder da zu sein. Wenn sich ein Kind erholt und aus dem Spital entlassen werden kann, freut sich auch immer das ganze Team. «Manchmal bekommen wir Karten und Grüsse von ehemaligen Bewohner:innen. Die Familien bedanken sich noch einmal, ab und zu sind auch Geschenke dabei. Vor kurzem haben wir gestricktes Obst und Gemüse für das Kinderspielzimmer erhalten, da hat sich eine Oma richtig ins Zeug gelegt», sagt Halyna lächelnd.

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