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Sissacher Tafel

«Brauchen wir in Sissach eine Lebensmittelabgabestelle?», auf diese Frage kam vor einigen Jahren ein «Nein» in der Gemeinde Sissach. Es sei keine Nachfrage für Lebensmittelhilfe vorhanden. Pfarrer Gerd Sundermann gab sich mit der Antwort nicht zufrieden und kontaktierte die Stiftung Schweizer Tafel, Region Nordwestschweiz. Hier stelle er dem Leiter der Region, Michele Hostettler, dieselbe Frage: «Brauchen wir in Sisssach eine Lebensmittelabgabestelle?» Heute, nach bald vier Jahren Lebensmittelausgabe sind rund 100 Bezüger:innen und deren Familien, also an die 300 Personen, froh, dass die reformierte Kirchgemeinde Sissach das Projekt damals realisiert hatte.

Es war das erste Projekt in der Kirchgemeinde

Im Jahr 2019 beschäftigte sich Gerd Sundermann bereits intensiv mit der Thematik Foodsave. In seinem Unterricht an den Schulen und auch in seinen Gottesdiensten wurde die Sensibilisierung gezielt eingebaut. «Für mich ist Lebensmittelverschwendung etwas, das mit entsprechendem Wissen im privaten Haushalt minimiert werden kann. Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen sollte uns Menschen bewusst sein. Jeder kann seinen Alltag hinterfragen und herausfinden, wie Ressourcen nachhaltig genutzt werden können», erklärt Gerd. Er realisierte schnell, dass Foodwaste auch künftig noch ein Problem in der Gemeinde Sissach sein würde, Sensibilisierung allein reicht nicht aus. Dadurch kam die Idee, eine Abgabestelle zu lancieren. Denn vom Konzept, Lebensmittel zu retten und an Bedürftige weiterzugeben hatte er bereits gehört. Er trug sein Vorhaben vor und war über die Reaktion in der Gemeinde überrascht: Es gebe keine Einwohner, die auf Lebensmittelhilfen angewiesen seien.

Diese Reaktion ist der Stiftung Schweizer Tafel nicht unbekannt. Leider ist sich ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung nicht bewusst, dass Armut in ihrem direkten Umfeld vorhanden sein kann. Für viele Menschen ist es ein Tabuthema, denn die Scham, über finanzielle Notlagen zu sprechen, ist zu gross. Gemäss BAFU leben rund 8.7% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, Tendenz steigend (Quelle: BfS 2023). Bei rund 8.7 Millionen Einwohner:innen kann eine bildliche Veranschaulichung helfen. In einem Wohnblock mit 11 Wohnungen, fragt sich gerade eine Familie, wie sie Ende Monat alle Rechnungen bezahlen und nebenbei noch ihre Familie ernähren soll.

Gerd realisierte mit der Unterstützung der Schweizer Tafel eine Lebensmittelabgabe und im November 2019 wurden erste Bezüger:innen begrüsst. Zu Beginn waren es noch wenige, die das Angebot in Anspruch nahmen. Nach einiger Zeit gesellten sich immer wie mehr Menschen dazu. Heute geht die Organisation davon aus, dass fast 300 Personen mit den abgegebenen Lebensmitteln versorgt werden. Mittlerweile ist auch die Gemeinde begeistert vom Projekt und unterstützt nach ihren Möglichkeiten. Einen grossen Teil liefert jeweils die Schweizer Tafel, weitere Spender sind lokale Unternehmen wie Landwirtschaftsbetriebe und Bäckereien. Jeden Freitag dürfen die Bezüger:innen Lebensmittel abholen. Eine erste Abgabe um 13.30 Uhr ist für sozial benachteiligte Personen und Familien, und eine zweite Abgabe um 16.00 Uhr wurde speziell für die Flüchtlinge aus der Ukraine eingerichtet. Es sind rund 16 freiwillige Helfer:innen, die dieses Projekt erst möglich machen. Gerd schätzt sein Team sehr, denn gerade als die Nachfrage durch die Flüchtlinge aus der Ukraine rasant zugenommen hatte, kamen keine Beschwerden, dass eine zweite Lebensmittelabgabe zur Notwendigkeit wurde. Die Zeit, die die Helfer:innen der Gemeinde und den Mitmenschen schenken, hat sich daraufhin verdoppelt.

«Ich bin pensioniert und habe nach einer sinnstiftenden Arbeit gesucht, die mir Struktur gibt. Gerd hat mich angesprochen, ob ich gerne bei der Sortierung und Abgabe der Lebensmittel unterstützen möchte. Mit dem Foodsave-Gedanken konnte ich mich sofort identifizieren», sagt Elisabeth, eine der Freiwilligen.

Auch Dilgo, der zurzeit ein Praktikum absolviert, meint: «Für mich sind dies die ersten Erfahrungen im Bereich Lebensmittelhilfen für Bedürftige. Ich bin erstaunt, wie verschieden unsere Besucher:innen sind, jede Person hat ihren eigenen Hintergrund, ihre eigene Geschichte.»

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Hanna, ebenfalls eine der freiwilligen Helferinnen, ist seit dem Start des Projekts mit dabei. Sie organisiert gemeinsam mit Edith, einer weiteren Freiwilligen, die Sammeltouren in Sissach, kümmert sich um den Auf- und Abbau der Abgabe sowie die Entsorgung des anfallenden Verpackungsmaterials. Edith erzählt: «Leider fällt uns auf, dass sich – verglichen mit den ersten beiden Jahren – kaum noch Schweizer:innen sich als Berzüger:innen eintragen lassen. Die Hemmschwelle ist bei ihnen sehr hoch. Schade, dass wir dies nicht verhindern können.» Die Sissacher Tafel versucht daher den Fokus ihrer Abgabe auf die Lebensmittelrettung zu lenken. Der Foodsave ist der Ursprungsgedanken und die Bezüger:innen werden animiert, dass dank ihnen die Lebensmittel gerettet werden können.

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2023-09-18T09:21:20+02:00
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