26. März 2026

Schlafguet - die Notschlafstelle in Olten

An der Bleichmattstrasse 21 in Olten steht ein unscheinbares dreistöckiges Reihenhaus. Wer von aussen vorbeispaziert, ahnt kaum, was sich dahinter verbirgt....

Jeden Abend ab 19 Uhr öffnet Schlafguet seine Türen für Menschen, die in dieser Nacht keinen Schlafplatz haben.

Der Verein Schlafguet wurde 2017 gegründet – aus der Erkenntnis, dass es im Kanton Solothurn schlicht keine Notschlafstelle gab. Sieben Jahre dauerte es, bis aus der Idee eine funktionierende Einrichtung entstanden ist. Heute betreibt der Verein an der Bleichmattstrasse eine Notschlafstelle und eine Sozial-WG unter einem Dach. Das Haus selbst gehört einer Stiftung.

Diana Greiner leitet den Betrieb seit Juni 2025. Sie kommt aus Deutschland, hat soziale Arbeit studiert und bringt viel Erfahrung in der Wohnungslosenhilfe mit – ein Angebot bi dem die Schweiz noch deutlich Potential hat.

«Es ist anspruchsvoll – aber es ist genau die Arbeit, die ich machen will.»

Als Betriebsleiterin trägt Diana die Verantwortung für den operativen Alltag: die neun Fachpersonen, die Vernetzungsarbeit, die Finanzen. Der Vorstand kümmert sich um Strategie, Kommunikation und Fundraising. Die Koordination der rund 30 Freiwilligen, den Kontakt zu Sozialdiensten und die Hauswirtschaft sind als Ressorts unter den Teammitglieder:innen verteilt.

Schlafguet steht allen offen – das ist eine der Besonderheiten der Einrichtung. Es gibt fast keine Eingangshürden und nur wenige Bedingungen, wie das Vorweisen eines Ausweises und die Bereitschaft, die Hausregeln zu respektieren. Die Menschen, die kommen, sind verschieden: Menschen in akuten Krisen, mit psychischen und körperlichen Erkrankungen, Menschen, die gerade ihre Wohnung verloren haben. Wohnungslosigkeit, so zeigt die Arbeit von Diana Greiner und ihrem Team täglich, hat viele Gesichter.

Die Institution unterscheidet zwischen zwei Gruppen: Notschläfer:innen, die einen symbolischen Beitrag von fünf Franken pro Nacht leisten, und Notpensionär:innen, die dauerhaft finanzielle Unterstützung von Sozialdienst, IV oder Ergänzungsleistungen erhalten und entsprechend anders begleitet werden.
 


 


 

Wie sieht ein Abend in der Notschlafstelle aus?
Um 19 Uhr beginnt der Check-in. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss befinden sich die Zimmer, Küche, Bad und Aufenthaltsraum. Das Wohnzimmer ist Treffpunkt: Hier wird gemeinsam gegessen – Abendessen ist inbegriffen, ebenso das Frühstück am nächsten Morgen. Ein Computer steht zur Verfügung; die Fachpersonen helfen beim Schreiben und Beantworten von Nachrichten.

Pro Nacht sind eine Fachperson und eine freiwillige Person vor Ort. Bis 22 Uhr müssen alle eingecheckt sein, bis 8 Uhr morgens ist Check-out.
Im zweiten Obergeschoss wohnen drei Personen dauerhaft in der Sozial-WG – ein weiterer Baustein des Angebots, der Stabilität ermöglichen soll.

Dass jeden Abend ein warmes Essen auf dem Tisch steht, ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit, die Schlafguet konkret entlastet und sehr wertschätzt. Die geretteten Lebensmittel der Schweizer Tafel fliessen direkt in die Küche: werden gekocht, verteilt, gegessen. 

Rund 30 Freiwillige zwischen 20 und über 60 Jahren tragen den Betrieb mit.
Was bringt Menschen dazu, freiwillig Nachtdienste zu leisten?
 

«Es ist oft das Gefühl, etwas Konkretes zu tun. Nicht spenden, nicht unterschreiben – sondern da sein» , erzählt Diana Greiner.
 

Schwierige Schicksale und belastende Momente, die sich nicht einfach nach dem Check-out vergessen lassen. Deshalb hat das Team regelmässige Reflexionen in Form einer professionellen Teambegleitung – ein Rahmen, um das Erlebte einzuordnen, ohne es allein tragen zu müssen.
 

«Diese Arbeit gibt mir viel zurück. Aber sie ist nicht einfach. Das muss man wissen, bevor man anfängt – und man muss gut auf sich schauen», erzählt Diana.
 

Im August 2025 erschütterte eine Nachricht den Verein: Aufgrund fehlender Spendeneinnahmen sollte Schlafguet per Ende Oktober schliessen. Was folgte, war eine Rettung in letzter Minute. Die Sozialwerke Pfarrer Sieber sprang ein, stellte dafür sogar ein eigenes Projekt zurück. Im Dezember 2025 sprach sich das Oltner Stadtparlament für eine Leistungsvereinbarung aus – mit einem Mindestbeitrag von 40'000 Franken. Die Verhandlungen laufen noch.
 

«Wir sind die einzige Notschlafstelle im Kanton Solothurn. Das sollte eigentlich für sich sprechen,» sagt Diana.
 

Denn der Kanton Solothurn organisiert Sozialhilfe und Nothilfe nicht kantonal, sondern auf Gemeindebasis – ein System, das strukturelle Lücken hinterlässt. Schlafguet füllt eine davon.
Im November 2025, mitten in der turbulentesten Phase des Vereins, erhielt Schlafguet den ersten «Prix Engagement Olten» der Stadt – in der Kategorie Projekte. Eine Auszeichnung, die zählt. Und die zeigt, dass Olten weiss, was es an dieser Einrichtung hat.

Die Tür an der Bleichmattstrasse öffnet jeden Abend um 19 Uhr und sie soll es auch weiterhin tun.
 



Wer Schlafguet unterstützen möchte – als Freiwillige:r oder mit einer Spende – findet alle Informationen unter Schlafguet